Sitzbank Reparatur Bericht Honda CB 250 G
Verfasst: 20.09.2022 14:57
Tschou Zäme,
Hier nur kurz ein Bericht über die Reparatur meines Sattels, möge es helfen wem’s will.
Ich habe schon lange an meiner Honda CB250 G gebastelt, einem Motorrad, das nicht grad für seine Fahr-Eigenschaften bekannt ist, jedoch sehr schöne Linien hat. Bei der Entwicklung der CB250G hat Honda offenbar den einen oder anderen Weg abgekürzt, um das Modell ansprechend und erschwinglich für Beginner zu machen. Erschwinglich war es allemal, und verkauft wurde es in grosser Stückzahl, und immer wieder erzählen mir wildfremde Menschen an Tankstellen und Parkplätzen, das sie Anno Tubak auf einem solchen Motorrad den Ausweis gemacht hätten.
Eine dieser Abkürzungen ist der Sattel: Der Sattelbezug ist ein passgenaues Formstück aus Vinyl, mit angeschweisster Gummi-Zierleiste an der Unterkante, und das Nahtmuster wurde mit einer Art Waffeleisen aufgedrückt. Nach 40 Jahren Wind und Wetter reissen die Bezüge genau an diesen eingebrannten ‘Nähten’, der Schaumkern quillt auf, und das Sattelblech rostet. Neue Bezüge sind schon lange nicht mehr erhältlich (zumindest nicht mit der Zierleiste), und Sättel werden langsam rar.
An meiner CB250G war der Sattel vermurkst, weil das Motorrad achtlos und ohne Schlüssel in einem Schopf abgestellt wurde und ein trostloses Dasein fristete, bis es wiederentdeckt wurde, und jemand versuchte, den abgeschlossenen Klapp-Sattel aufzuhebeln, um an den Fahrzeugausweis zu kommen.
Nach Fertigstellung der Reparaturen und kurz vor der Fahrzeugprüfung wurde daher noch ein neuer Sattel aus Deutschland verbaut, welcher noch tiptop in Schuss war. Auf der Fahrt zur Fahrzeugprüfung gab der Bezug jedoch nach, und nun klaffte ein 10 Zentimeter langer Schranz auf der Sitzfläche (was umgehend bemängelt wurde an der Prüfung, zwar zu Recht, aber das war definitiv ‘insult to injury’).
Sättel und Speichenräder sind die Auffälligsten Teile an jedem Motorrad: da kann noch so viel Patina am Motorrad sein, wenn die Räder rostig und der Sattel verschlissen ist, sieht das Gefährt einfach jämmerlich aus. Deshalb habe ich lange nach Möglichkeiten gesucht, um einen passenden Bezug zu finden, bis mir in den Sinn gekommen ist, dass neben ‘Neu Kaufen’ auch ‘Reparieren’ eine Option wäre, schliesslich habe ich auch alles Andere am Motorrad repariert.
Aus dieser Option wurde dann aber doch ein Kompromiss: Ich habe den Sattelbezug zu einer fähigen Sattlerin in Zürich gegeben, die hat mir den Bezug von der Innenseite sauber gebüezt, und Verstärkungen angebracht, wo die nötig waren, sowie ein weiteres kleines Loch geflickt. Während der Bezug in der Presse am Verkleben war, habe ich drei kleine Spannungsrisse im Sattelblech geschweisst, und das Blech nach einem Besuch in der Sandstrahlkabine mit Rostschutzfarbe schwarz lackiert.
Sämtliche Beschläge, Scharniere und Gummipuffer gingen nach gründlicher Reinigung wieder an das Blech, welches anschliessend zusammen mit dem Schaumkern wieder in den neu verklebten Bezug eingelegt wurden. Das aufgeklebte Flickstück stört dabei gar nicht, und ist auf der Aussenseite nicht sichtbar. Jetzt kann ich die Restauration der CB250G (besser: die Instandsetzung) als Abgeschlossen betrachten.
Sattlerin Andrea hat dabei ganze Arbeit geleistet. Man sieht die Schäden am alten Bezug noch, jedoch sind die nun wasserdicht verklebt, und sehr unauffällig. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Reparatur das ehrliche Alter des Sitzbezugs nicht verschleiert. Das aufgedruckte Honda-Logo ist verblichen, unter dem Keder sammelt sich Staub und Dreck, und die Zierleiste, dieses Stück aufgeklebte Alufolie, sieht immer noch aus wie …aufgeklebte Alufolie.
Aber das Gesamtergebnis zählt. Es wäre kein Problem gewesen, einen neuen Bezug zu schneidern, der hätte für meine CB250G jedoch zu sauber und neu ausgesehen. Viel schwieriger (und zufriedenstellender) ist ein Sattel, der grad so alt wie das Motorrad ist, und nun ebenso wie der Rest des Motorrades konserviert ist. Der Arbeitsaufwand ist zwar genau gleich wie beim Neubezug, sieht aber meiner Meinung nach besser aus.
Fall jemand von euch auch ein Riss im Sattel hat: eventuell hilft eine Reparatur. Grad bei einem bereits kaputten Bezug gibt es viel mehr zu gewinnen als zu Verlieren…
Gute Fahrt!
Hier nur kurz ein Bericht über die Reparatur meines Sattels, möge es helfen wem’s will.
Ich habe schon lange an meiner Honda CB250 G gebastelt, einem Motorrad, das nicht grad für seine Fahr-Eigenschaften bekannt ist, jedoch sehr schöne Linien hat. Bei der Entwicklung der CB250G hat Honda offenbar den einen oder anderen Weg abgekürzt, um das Modell ansprechend und erschwinglich für Beginner zu machen. Erschwinglich war es allemal, und verkauft wurde es in grosser Stückzahl, und immer wieder erzählen mir wildfremde Menschen an Tankstellen und Parkplätzen, das sie Anno Tubak auf einem solchen Motorrad den Ausweis gemacht hätten.
Eine dieser Abkürzungen ist der Sattel: Der Sattelbezug ist ein passgenaues Formstück aus Vinyl, mit angeschweisster Gummi-Zierleiste an der Unterkante, und das Nahtmuster wurde mit einer Art Waffeleisen aufgedrückt. Nach 40 Jahren Wind und Wetter reissen die Bezüge genau an diesen eingebrannten ‘Nähten’, der Schaumkern quillt auf, und das Sattelblech rostet. Neue Bezüge sind schon lange nicht mehr erhältlich (zumindest nicht mit der Zierleiste), und Sättel werden langsam rar.
An meiner CB250G war der Sattel vermurkst, weil das Motorrad achtlos und ohne Schlüssel in einem Schopf abgestellt wurde und ein trostloses Dasein fristete, bis es wiederentdeckt wurde, und jemand versuchte, den abgeschlossenen Klapp-Sattel aufzuhebeln, um an den Fahrzeugausweis zu kommen.
Nach Fertigstellung der Reparaturen und kurz vor der Fahrzeugprüfung wurde daher noch ein neuer Sattel aus Deutschland verbaut, welcher noch tiptop in Schuss war. Auf der Fahrt zur Fahrzeugprüfung gab der Bezug jedoch nach, und nun klaffte ein 10 Zentimeter langer Schranz auf der Sitzfläche (was umgehend bemängelt wurde an der Prüfung, zwar zu Recht, aber das war definitiv ‘insult to injury’).
Sättel und Speichenräder sind die Auffälligsten Teile an jedem Motorrad: da kann noch so viel Patina am Motorrad sein, wenn die Räder rostig und der Sattel verschlissen ist, sieht das Gefährt einfach jämmerlich aus. Deshalb habe ich lange nach Möglichkeiten gesucht, um einen passenden Bezug zu finden, bis mir in den Sinn gekommen ist, dass neben ‘Neu Kaufen’ auch ‘Reparieren’ eine Option wäre, schliesslich habe ich auch alles Andere am Motorrad repariert.
Aus dieser Option wurde dann aber doch ein Kompromiss: Ich habe den Sattelbezug zu einer fähigen Sattlerin in Zürich gegeben, die hat mir den Bezug von der Innenseite sauber gebüezt, und Verstärkungen angebracht, wo die nötig waren, sowie ein weiteres kleines Loch geflickt. Während der Bezug in der Presse am Verkleben war, habe ich drei kleine Spannungsrisse im Sattelblech geschweisst, und das Blech nach einem Besuch in der Sandstrahlkabine mit Rostschutzfarbe schwarz lackiert.
Sämtliche Beschläge, Scharniere und Gummipuffer gingen nach gründlicher Reinigung wieder an das Blech, welches anschliessend zusammen mit dem Schaumkern wieder in den neu verklebten Bezug eingelegt wurden. Das aufgeklebte Flickstück stört dabei gar nicht, und ist auf der Aussenseite nicht sichtbar. Jetzt kann ich die Restauration der CB250G (besser: die Instandsetzung) als Abgeschlossen betrachten.
Sattlerin Andrea hat dabei ganze Arbeit geleistet. Man sieht die Schäden am alten Bezug noch, jedoch sind die nun wasserdicht verklebt, und sehr unauffällig. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Reparatur das ehrliche Alter des Sitzbezugs nicht verschleiert. Das aufgedruckte Honda-Logo ist verblichen, unter dem Keder sammelt sich Staub und Dreck, und die Zierleiste, dieses Stück aufgeklebte Alufolie, sieht immer noch aus wie …aufgeklebte Alufolie.
Aber das Gesamtergebnis zählt. Es wäre kein Problem gewesen, einen neuen Bezug zu schneidern, der hätte für meine CB250G jedoch zu sauber und neu ausgesehen. Viel schwieriger (und zufriedenstellender) ist ein Sattel, der grad so alt wie das Motorrad ist, und nun ebenso wie der Rest des Motorrades konserviert ist. Der Arbeitsaufwand ist zwar genau gleich wie beim Neubezug, sieht aber meiner Meinung nach besser aus.
Fall jemand von euch auch ein Riss im Sattel hat: eventuell hilft eine Reparatur. Grad bei einem bereits kaputten Bezug gibt es viel mehr zu gewinnen als zu Verlieren…
Gute Fahrt!